Fallback LTE

Fallback statt Steinzeit – UniFi Cloud Gateway Ultra + TP-Link LTE als Backup-Kombi

Glasfaser ist schnell. Keine Frage. Aber auch unantastbar zuverlässig? Eher nicht – zumindest nicht überall und ganz sicher nicht während der Ausbauphase. Offiziell wird der Glasfaserausbau gern als Heilsbringer für stabile Hochverfügbarkeit verkauft. Die Realität auf Baustellen-Niveau sieht allerdings oft deutlich rauer aus.

Wer den Ausbau vor der eigenen Haustür oder im Ort beobachtet, merkt schnell: Tiefbau bedeutet Risiko. Bestehende Trassen werden beschädigt, Muffen neu gesetzt, Verteiler umgebaut – und plötzlich ist die „hochgelobte Zukunftsleitung“ erst mal offline. Genau aus dieser Erfahrung heraus ist meine aktuelle Backup-Strategie entstanden.

Ausgangslage

Primäranschluss ist eine Glasfaserleitung. Im Regelbetrieb schnell, stabil und mit hervorragender Latenz. Aber: Sporadische Ausfälle durch Bauarbeiten am Glasfasernetz sind keine Theorie, sondern mehrfach vorgekommen. Mal kurz, mal länger – immer dann, wenn man es am wenigsten gebrauchen kann.

Für Homeoffice, Remote-Zugriffe oder laufende Dienste im eigenen Netz schlicht unpraktisch.

Also musste ein automatischer Fallback her.

Setup im Überblick

  • UniFi Cloud Gateway Ultra (UCG) als zentrales Gateway & Netzwerkhirn
  • TP-Link LTE Router als Backup-WAN über Mobilfunk
  • Automatisches Failover bei Ausfall der Glasfaser

Sobald die Glasfaser wegbricht, übernimmt der LTE-Router nahtlos den Internetzugang. Kein manuelles Umschalten, kein Kabelziehen.

Rollenverteilung – bewusst getrennt

Die Aufgaben sind klar verteilt:

TP-Link LTE Router

  • Stellt die Mobilfunkverbindung her
  • Regelt, wer überhaupt ins Internet darf, wenn Fallback aktiv ist
  • Dient der Daten- und Kostenkontrolle

Gerade im Backup-Fall sollen nicht plötzlich Kameras, Smart-Home-Geräte oder Update-Dienste das Datenvolumen leerziehen. Deshalb wird hier vorgefiltert.

UniFi Cloud Gateway Ultra

  • Routing im internen Netz
  • VLANs & Segmentierung
  • Firewall & Policies
  • VPN & Portfreigaben
  • Monitoring & Logging

Alles, was das eigentliche Netzwerk betrifft, bleibt beim UCG. Der LTE-Router liefert nur die Ersatz-Internetleitung.

Warum diese Aufteilung?

Kontrolle und Kostendisziplin.

Mobilfunk ist:

  • langsamer
  • volumenbegrenzt
  • potenziell teuer

Deshalb wird der Zugang schon am LTE-Router eingeschränkt, bevor unnötiger Traffic entsteht. Gleichzeitig bleibt die gewohnte Netzwerkarchitektur unangetastet.

Kostenfaktor – bewusst schlank gehalten

Auch finanziell bleibt das Setup entspannt.

Der LTE-Router läuft über eine Multi-SIM des bestehenden Mobilfunkvertrags. Bedeutet:

  • Kein zusätzlicher Vertrag
  • Keine zweite Grundgebühr
  • Nutzung des vorhandenen Datenvolumens

Für eine Leitung, die nur im Störungsfall aktiv ist, völlig ausreichend und wirtschaftlich sinnvoll.

Technischer Hinweis: Doppeltes NAT

In dieser Konstellation entsteht Double NAT:

  • NAT im TP-Link LTE Router
  • NAT im UniFi Cloud Gateway

Technisch nicht ideal – praktisch hier aber egal.

Der LTE-Fallback ist ausschließlich gedacht für:

  • Surfen
  • Mail
  • Cloud-Zugriffe
  • VPN nach außen

Keine eingehenden Dienste, keine Portweiterleitungen über LTE. Entsprechend spielt Double NAT im Alltag keine Rolle.

Wer es sauberer will, kann – sofern unterstützt – mit Bridge/IP-Passthrough arbeiten. Für einen reinen Notfallzugang meist unnötig.

Failover in der Praxis

Der Ablauf ist unspektakulär – genau so soll es sein:

  1. Glasfaser fällt aus
  2. UCG erkennt WAN-Down
  3. Umschaltung auf LTE
  4. Freigegebene Clients bleiben online

Sobald Glasfaser zurück ist, schwenkt alles automatisch wieder um.

Realität vs. Ausbau-Marketing

Der Glasfaserausbau wird politisch und medial gern als Synonym für Stabilität und Zukunftssicherheit verkauft. Technologisch stimmt das langfristig auch.

Operativ – während der Bau- und Migrationsphase – sieht es jedoch oft anders aus:

  • Beschädigte Bestandsleitungen
  • Fehlkonfigurationen bei Umschaltungen
  • Kurzfristige Wartungsfenster
  • Ungeplante Bauunterbrechungen

Wer darauf angewiesen ist, dauerhaft online zu sein, sollte sich davon nicht blenden lassen, sondern vorsorgen.

Fazit

Glasfaser bleibt die beste Festnetztechnologie – aber eben nicht unfehlbar.

Die Kombination aus:

  • UniFi Cloud Gateway Ultra für Netzwerk-Intelligenz
  • TP-Link LTE Router als Mobilfunk-Fallback
  • Multi-SIM ohne Zusatzvertrag für überschaubare Kosten

…ergibt eine robuste, automatisierte und kontrollierbare Backup-Lösung.

Besonders sinnvoll überall dort, wo der Glasfaserausbau zwar hochgelobt wird – die Praxis aber noch regelmäßig zeigt, dass ein Bagger stärker ist als jede Zukunftstechnologie.

Oder kurz gesagt: Lieber begrenzt online als komplett offline.

Weitere Artikel in diesem Zusammenhang:

„WLAN ohne Frust“

„Vom Kupfer zur Glasfaser“

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