Vom Kupfer zur Glasfaser – und warum gleich das ganze Heimnetz neu musste

Irgendwann kommt der Punkt, an dem man sich eingestehen muss: Das eigene Heimnetz ist zwar über Jahre gewachsen, aber so richtig zeitgemäß ist es nicht mehr. Bei mir war der Auslöser der anstehende Umstieg auf Glasfaser. Wenn schon neue Leitung ins Haus, dann bitte auch eine Infrastruktur dahinter, die das Ganze sinnvoll nutzen kann – technisch, leistungsmäßig und sicherheitstechnisch.

Ausgangslage: Klassische FritzBox-Welt

Viele Jahre lief alles stabil über eine klassische AVM-Infrastruktur, konkret mit einer FritzBox 7590 als Zentrale. WLAN, DHCP, Firewall, bisschen Portfreigabe – das übliche Setup eben. Für einen normalen Haushalt völlig ausreichend.

Aber: Mit steigender Zahl an Geräten (Smart Home, Kameras, Streaming-Clients, Homeoffice, Testsysteme) wurde es zunehmend unübersichtlich. Dazu kamen Limits bei:

  • VLANs / Segmentierung
  • Erweiterter Firewall-Logik
  • Zentrale Verwaltung mehrerer Accesspoints
  • Sauberer VPN-Einbindung
  • Monitoring & Logging

Kurz gesagt: Funktioniert, aber nicht mehr auf dem Level, das ich haben wollte.

Glasfaser als Wendepunkt

Der Glasfaseranschluss war dann der perfekte Anlass, einmal „Tabula Rasa“ zu machen. Höhere Bandbreite bringt wenig, wenn das interne Netz zum Flaschenhals wird oder sicherheitstechnisch auf Consumer-Standard bleibt.

Also fiel die Entscheidung, das Heimnetz komplett auf Ubiquiti / UniFi umzubauen.

Neue Hardware im Rack

Die bisherige FritzBox-Zentrale wurde ersetzt durch folgende Komponenten:

  • UniFi Cloud Gateway Ultra – Router, Firewall, Controller in einem
  • UniFi 8-Port PoE Switch – Strom & Netzwerk über ein Gerät
  • 2× UniFi U6+ Accesspoints – Wi-Fi 6 im ganzen Haus

Das Setup ist bewusst kompakt gehalten, aber technisch weit über dem, was vorher möglich war.

Installation & Inbetriebnahme

Der physische Aufbau war schnell erledigt:

  1. Glasfaser-ONT → WAN am Cloud Gateway
  2. Gateway → PoE Switch
  3. Accesspoints direkt per PoE angebunden

Kein Steckernetzteil-Zoo mehr, keine WLAN-Repeater – saubere, kabelgebundene AP-Anbindung.

Die UniFi-Controller-Software läuft direkt auf dem Gateway, wodurch die komplette Verwaltung zentral über eine Oberfläche erfolgt. Geräte adoptieren, Firmware updaten, Netze konfigurieren – alles an einer Stelle.

WLAN: Endlich flächendeckend stabil

Die zwei U6+ Accesspoints decken das Haus jetzt deutlich sauberer ab als vorher die Einzel-FritzBox mit Repeater.

Vorteile:

  • Wi-Fi 6 Performance
  • Sauberes Roaming zwischen APs
  • Kanaloptimierung automatisch
  • Getrennte SSIDs pro Netzwerksegment

Gerade bei Videocalls im Homeoffice oder parallelem 4K-Streaming merkt man den Unterschied sofort: stabil, niedrige Latenzen, keine Random-Abbrüche mehr.

Netzwerksicherheit: Der eigentliche Gamechanger

Der größte Mehrwert liegt aber nicht in der Geschwindigkeit, sondern in den Sicherheits- und Kontrollmöglichkeiten.

1) Netzwerksegmentierung (VLANs)

Vorher hing alles im selben Netz:

  • PCs
  • Smartphones
  • NAS
  • Smart-Home
  • Kameras
  • Gäste

Sicherheitsmäßig ein Albtraum.

Jetzt ist das Netz logisch getrennt:

  • Produktivnetz – Rechner, Server, NAS
  • IoT-Netz – Smart Home, Steckdosen, Kameras
  • Guest-Netz – Besucher
  • Management-Netz – Infrastrukturgeräte

IoT-Geräte kommen nicht mehr an produktive Systeme. Wenn eine smarte Glühbirne kompromittiert wird, bleibt der Schaden isoliert.

Firewall-Regeln regeln exakt, wer mit wem sprechen darf.

2) Location-basierter Schutz

Über Geo-IP-Filter lassen sich Zugriffe aus bestimmten Regionen blockieren. Für ein Heimnetz völlig ausreichend, um 90 % des Internet-Rauschens direkt auszusperren.

Beispiel:

  • Admin-Zugriffe nur aus EU-Regionen
  • Blocklisten für bekannte Angriffsquellen
  • Alerts bei ungewöhnlichen Login-Versuchen

Das reduziert Angriffsfläche massiv – ohne großen Aufwand.

3) VPN – sauber integriert

Statt Bastellösungen läuft der Fernzugriff jetzt über integrierte VPN-Server.

Use-Cases:

  • Sicherer Zugriff aufs Heimnetz aus dem Hotel
  • Admin-Zugriff auf Server & NAS
  • Remote-Management der Infrastruktur

Unterstützt werden moderne Protokolle wie WireGuard / L2TP / OpenVPN (je nach Setup). Performance über Glasfaser + UniFi-Gateway ist dabei mehr als ausreichend, selbst für größere Datenübertragungen.

4) IDS / IPS & Traffic Inspection

Das Gateway bringt Intrusion Detection / Prevention mit:

  • Erkennung verdächtiger Signaturen
  • Blockieren bekannter Exploits
  • Traffic-Analyse in Echtzeit

Für Enterprise-Umgebungen Standard – im Heimnetz eher Luxus, aber ein beruhigender.

Monitoring & Transparenz

Was früher komplett gefehlt hat: Sichtbarkeit.

Jetzt sehe ich auf einen Blick:

  • Bandbreitenverbrauch pro Gerät
  • Top-Talker im Netz
  • Latenzen & Paketverluste
  • WLAN-Signalstärken
  • Roaming-Verhalten

Wenn irgendwas langsam ist, weiß man sofort warum – statt blind Router neu zu starten.

Strom & Verkabelung

Der PoE-Switch vereinfacht die Infrastruktur enorm:

  • Accesspoints über LAN versorgt
  • Keine Steckdosen an der Decke nötig
  • Zentrale USV möglich

Weniger Netzteile = weniger Fehlerquellen.

Lernkurve & Aufwand

Man muss es klar sagen: UniFi ist kein Plug-and-Play wie eine FritzBox.

Themen wie:

  • VLAN-Design
  • Firewall-Regeln
  • Routing
  • DHCP-Scopes

… erfordern Grundverständnis von Netzwerktechnik.

Wer sich aber ohnehin dafür interessiert oder beruflich damit zu tun hat, bekommt ein extrem flexibles System.

Fazit

Der Glasfaseranschluss war der perfekte Anlass, das Heimnetz einmal komplett neu zu denken.

Der Wechsel von einer klassischen All-in-One-FritzBox hin zu einer segmentierten UniFi-Infrastruktur bringt:

  • Deutlich stabileres WLAN
  • Saubere Netztrennung
  • Mehr Sicherheit
  • Bessere Performance
  • Zentrales Management
  • Zukunftssicherheit für weitere Geräte

Unterm Strich: Mehr Aufwand in der Einrichtung, aber ein massiver Zugewinn an Kontrolle und Sicherheit.

Und ganz ehrlich – wenn schon Gigabit ins Haus kommt, sollte dahinter auch ein Netz stehen, das mehr kann als „WLAN an, wird schon laufen“.

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