Hand aufs Herz: Die meisten WLAN-Probleme haben nichts mit der gebuchten Internetleitung zu tun. Ob 50 Mbit oder 1 Gbit – wenn das Funknetz wackelt, fühlt sich alles langsam an. Videocalls frieren ein, Smarthome spinnt, Downloads brechen ab.
Der Grund ist fast immer derselbe: WLAN wurde auf maximale Geschwindigkeit statt auf maximale Stabilität konfiguriert.
Hier geht’s nicht um Marketing-Speedtests, sondern um ein Funknetz, das einfach zuverlässig läuft.
1. Kanalwahl – der unterschätzte Störfaktor
WLAN ist ein geteiltes Medium. Du bist nicht allein auf Sendung – deine Nachbarn funken mit.
2,4 GHz
Hier ist es am schlimmsten. Das Band hat effektiv nur drei störungsfreie Kanäle:
- Kanal 1
- Kanal 6
- Kanal 11
Alles dazwischen überlappt sich. Wenn der Router „Auto“ wählt, landet er gern im Chaos.
Stabilitäts-Tipp:
Manuell einen der drei Kanäle setzen – den mit der geringsten Belegung.
5 GHz
Mehr Platz, mehr Kanäle, weniger Nachbarn. Aber: nicht jeder Kanal ist gleich stabil (→ DFS, dazu gleich mehr).
Für stabile Verbindungen sind die unteren Kanäle meist die sicherste Bank:
- 36–48 → sofort aktiv, kein Radar-Thema
2. Kanalbreite – weniger ist oft mehr
Router werben mit 80 MHz oder 160 MHz Bandbreite. Klingt nach mehr Speed – stimmt auch. Aber:
Breite Kanäle sind störanfälliger.
Überblick
| Kanalbreite | Speed | Stabilität | Empfehlung |
|---|---|---|---|
| 20 MHz | niedrig | sehr hoch | IoT, Altgeräte, 2,4 GHz |
| 40 MHz | mittel | hoch | guter Kompromiss |
| 80 MHz | hoch | mittel | nur bei wenig Störung |
| 160 MHz | sehr hoch | niedrig | Marketing / Spezialfälle |
Stabilitäts-Fokus heißt:
- 2,4 GHz → 20 MHz
- 5 GHz → 40 MHz (oder 80 MHz nur wenn sauber)
Warum?
Schmalere Kanäle überlappen weniger, fangen weniger Störungen ein und bleiben konstanter.
3. DFS – ruhige Kanäle mit Risiko
DFS (Dynamic Frequency Selection) bedeutet:
Dein WLAN teilt sich Frequenzen mit Radar.
Der Router prüft:
- Ist Radar aktiv?
- Wenn ja → Kanalwechsel, sofort
Das führt zu:
- kurzen WLAN-Aussetzern
- Neuverbindungen
- Ping-Spikes
DFS nutzen – ja oder nein?
Ja, wenn:
- viele Nachbar-WLANs
- Mehrfamilienhaus
- hoher Durchsatz wichtig, aber nicht kritisch
Nein, wenn Stabilität zählt:
- Videocalls
- Homeoffice
- Gaming
- Smarthome
- Dauerstreams
Stabilitäts-Sweet-Spot:
5 GHz ohne DFS (36–48).
4. Signalstärke – warum „Vollgas“ nicht ideal ist
Viele denken: maximale Sendeleistung = bestes WLAN.
In der Praxis passiert oft das Gegenteil.
Probleme bei voller Leistung
- Mehr Überschneidung mit Nachbar-WLANs
- Clients „kleben“ zu lange am entfernten AP
- Mehr Störungen im eigenen Netz
- Roaming wird schlechter (bei Mesh/APs)
Medium statt Maximum
Eine reduzierte Leistung kann:
- Funkzellen sauberer trennen
- Störungen verringern
- Stabilität erhöhen
Faustregel:
- Wohnung klein → Medium reicht
- Einfamilienhaus mit APs → Leistung pro AP runter
- Einzelrouter über mehrere Etagen → Voll nötig, aber ineffizient
5. Frequenzbänder sinnvoll einsetzen
2,4 GHz
Pro:
- hohe Reichweite
- gute Wanddurchdringung
Contra:
- extrem überlaufen
- niedrige Datenraten
- störanfällig
Use-Case:
- Smarthome
- Drucker
- IoT
- Geräte weit weg
5 GHz
Pro:
- deutlich stabiler
- höhere Datenraten
- weniger Störungen
Contra:
- geringere Reichweite
Use-Case:
- Laptops
- Smartphones
- Streaming
- Arbeit
6. Realität: Consumer-Router können nicht alles
Theorie ist schön – Praxis ist Fritzbox & Co.
Typische Einschränkungen:
- DFS nicht immer deaktivierbar
- Kanalbreite nur begrenzt wählbar
- Sendeleistung nur grob (100 % / 50 %)
- Auto-Kanal mischt sich ein
- Band-Steering nicht fein steuerbar
Das heißt:
Man kann optimieren – aber kein Enterprise-WLAN erwarten.
7. Stabilitäts-Setup (praxisnah)
Wenn Stabilität wichtiger ist als Speed:
2,4 GHz
- Kanal: 1 / 6 / 11 fest
- Breite: 20 MHz
- Leistung: Medium
- Nur IoT & Nebengeräte
5 GHz
- Kanal: 36–48
- DFS: aus / vermeiden
- Breite: 40 MHz (max. 80 wenn sauber)
- Leistung: Medium bis Hoch
8. Häufige Denkfehler
- „Auto ist optimal“ → selten
- „Mehr MHz = besser“ → nur bei Funkruhe
- „Voller Empfang = stabil“ → falsch
- „Internet langsam = Provider schuld“ → oft WLAN
Fazit
Ein stabiles WLAN entsteht nicht durch maximale Werte, sondern durch ausgewogene.
- Schmalere Kanäle
- Saubere Kanalwahl
- DFS bewusst einsetzen
- Leistung nicht blind auf 100 %
- Frequenzen trennen nach Gerätetyp
Speedtests beeindrucken – Stabilität überzeugt im Alltag.
Oder anders gesagt:
Lieber konstante 200 Mbit als schwankende 800.